Der 1944 in Moskau geborene Pianist Alexei Lubimov begann seine musikalische Ausbildung an der zentralen Musikschule seiner Heimatstadt und studierte am Moskauer Konservatorium als einer der letzten Schüler von Heinrich Neuhaus. Schon damals erregte der Künstler mit seinem weit gespannten Repertoire vom Barock bis hin zur zeitgenössischen Musik Aufmerksamkeit in Musikerkreisen.
1968 gab er sein erstes Konzert mit Werken von John Cage und Terry Riley. Auch in den folgenden Jahren brachte er zahlreiche Werke des 20. Jahrhunderts in der damaligen Sowjetunion zur Erstaufführung - so zum Beispiel Klavierkompositionen von Schönberg, Webern, Stockhausen, Boulez, Ives oder Ligeti. Weiterhin gehörten Werke von Schnittke, Gubajdulina, Silvestrow und Pärt zu den häufig von ihm gespielten Stücken. Es ist in diesem Zusammenhang nur folgerichtig, daß Alexei Lubimov der Gründer und künstlerische Leiter des Avantgarde-Musikfestes „Alternativa“ ist. In der ehemaligen Sowjetunion war das Eintreten des Künstlers für zeitgenössische westliche Musik nicht unumstritten - ideologische Kritik gipfelte in einem 7 Jahre andauernden Ausreiseverbot. Diese Zeit nutzend, konzentrierte Alexei Lubimov sein Schaffen auf die Arbeit mit Originalinstrumenten und gründete 1976 das Moskauer Barock-Quartett sowie, gemeinsam mit Tatjana Grindenko, die Moskauer Kammerakademie. Noch heute konzertiert Alexei Lubimov mit vielen bedeutenden Ensembles, die sich der Pflege historischer Aufführungspraxis verpflichtet fühlen.
Das Jahr 1987 markiert den Einstieg in die internationale Karriere von Alexei Lubimov - seither gab der Künstler zahlreiche Konzerte in den USA, Europa und Japan. Klavierabende stehen dabei gleichberechtigt neben Orchesterkonzerten mit bedeutenden Symphonieorchestern wie den Münchner- St. Petersburger- und Helsinki Philharmonikern, mit Israel- und Los Angeles Philharmonic, Royal Philharmonic London, dem Russischen National-Orchester, der Weimarer Staatskapelle, dem Orchestre Philharmonique de Radio France, Toronto Symphony und dem Deutschen Sinfonie-Orchester Berlin. Die Partner am Pult waren unter anderem Vladimir Ashkenazy, Frans Brüggen, Neeme Järvi, Kirill Kondrashin, Christopher Hogwood, Charles Mackerras, Roger Norrington, Mikhail Pletnev, Gennady Roshdestvensky, Jukka-Pekka Saraste, Esa-Pekka Salonen, Marek Janowski oder Yan Pascal Tortelier. Von den Ensembles mit historischer Aufführungspraxis seien hier das Orchestra of the Age of Enlightenment, die Wiener Akademie und das Collegium Vocale Gent genannt.
Die Kammermusik bildet einen weiteren Schwerpunkt im Schaffen des Pianisten. Bei zahlreichen Festivals, wie zum Beispiel in Lockenhaus, den Salzburger Festspielen, in La Roque d'Anthéron, beim Carinthischen Sommer, den Münchner Opernfestspielen, den Berliner Festwochen oder dem Menuhin-Festival in Gstaad konzertiert Alexei Lubimov heute regelmäßig mit Partnern wie Natalia Gutman, Eduard Brunner, Peter Schreier, Andreas Staier, Heinrich Schiff oder Christian Tetzlaff.
Von den Projekten ab Ende der 90ger Jahre seien hier die Orchester New York- Helsinki- und Moskau Philharmonic, New Sinfonietta Amsterdam erwähnt, sowie Klavierabende in Chicago, Toronto, Washington, Moskau und zahlreiche Kammerkonzerte; eine ausgedehnte Europa-Tournée mit dem Finnish Radio Orchestra und Jukka-Pekka Saraste mit dem 4. Klavierkonzert von Rachmaninoff die BBC Proms mit Mozart und schließlich Konzerte mit Sir Roger Norrington mit dem RSO Stuttgart. In der Saison 2000/01 waren unter anderem das City of Birmingham Symphonie Orchestra, das Tonkünstlerorchester Wien sowie das Russische Nationalorchester mit einer Tournée im Auftrittskalender vertreten. Anfang des neuen Jahrtausends verlegte Alexei Lubimov seinen Hauptwohnsitz wieder nach Moskau – seither ist Europa von Moskau bis London seine Hauptwirkungsstätte. 2003 gastierte er unter anderem in Birmingham mit Orchester (einen Soloabend in der Wigmore Hall gab er 2002) sowie in Frankreich, Italien, der Schweiz, Österreich und in Deutschland sowie natürlich in Rußland. Im Sommer 2003 spielte Alexei Lubimov mit dem Danish Radio Symphony Orchestra den ersten Teil des Scriabin-Oratoriums “Prometheus - Preperation for the Final Mystery - Part 1: Universe” in Kopenhagen und bei den Salzburger Festspielen. Bei den Berliner Festspielen standen im Oktober 2003 avantgardistische Solowerke Russischer Komponisten auf dem Programm. Die Welturaufführung des Klavierkonzertes von Avo Pärt in den USA wurde von Alexei gespielt. Entsprechend spielte er auch die deutsche Premiere in Stuttgart. In 2004/05 trat er unter anderen mit dem Orchestra of the Age of the Enlightenment, den Münchner Philharmonikern, dem SWR Stuttgart, dem DSO Berlin, dem Danish National Symphony Orchestra und dem RNO Moscow auf, auf dem Programm u. a. Werke von Beethoven, Silvestrov und Pärt.
Alexei Lubimov fühlt sich – wie bereits erwähnt – besonders der zeitgenössischen Musik russischer Komponisten verpflichtet. Auf zwei Künstlerpersönlichkeiten sei hier besonders hingewiesen – einmal Valentin Silvestrov (eine Aufnahme mit Orchesterwerken ist bei Sony erschienen) und zum anderen Alexander Nemtin, der einen großen Teil seines Schaffens einer fragmentarisch vorhandenen Idee Scriabins gewidmet hat. Nemtin schuf einen 3 Teile umfassenden Orchesterzyklus, der erstmals in Helsinki im Februar 1997 komplett aufgeführt wurde.
Auf Schallplatte und CD, erschienen bei Melodia, Erato, BIS, Sony, ECM u. a. sind bereits über 30 Einspielungen des Künstlers dokumentiert, die von sämtlichen Mozart-Sonaten über Schubert, Chopin, Beethoven und Brahms bis hin zu Werken des 20. Jahrhunderts reichen. Die neueste Veröffentlichung bei ECM “Der Bote” (2002) fand bei Publikum und Kritik eine geradezu hymnische Aufnahme. Das gleiche postive Echo konnte die CD “Messe Noire” im Jahr 2005 für sich verbuchen, erschienen ebenfalls bei ECM (2005).